Souveräner Arbeitsplatz
Kurz gesagtEin souveräner Arbeitsplatz ist kein Produkt, sondern fünf Stufen in der richtigen Reihenfolge.
Auf einen Blick
- Bestandteile
- Videokonferenz, Dateiablage, Chat, E-Mail und Kalender, Dokumentenbearbeitung, Identitätsverwaltung
- Bekanntestes Bündel
- openDesk des ZenDiS, aus Nextcloud, OpenTalk, Open-Xchange, Collabora und weiteren Bausteinen
- Realistischer Rahmen
- Zwölf bis achtzehn Monate für hundert bis dreihundert Arbeitsplätze, Stufe eins und zwei in acht Wochen
- Häufigster Fehler
- Mit E-Mail oder Dokumentenbearbeitung anfangen statt mit Videokonferenz
- Was schlechter wird
- Verzahnung der Werkzeuge, Suche über alle Inhalte, mobile Anwendungen, Telefonie-Integration
- Teilerfolg zählt
- Drei von fünf Stufen europäisch ist mehr als eine Grundsatzdebatte, die bei null endet
Ein souveräner Arbeitsplatz ist kein Produkt, das man kauft, sondern eine Zusammenstellung. Genau daran scheitern die meisten Vorhaben: Sie suchen einen Ersatz für ein Bündel und finden fünf einzelne Werkzeuge, die in unterschiedlichem Tempo eingeführt werden müssen.
Die Reihenfolge entscheidet dabei mehr als die Auswahl.
Warum diese Reihenfolge
Videokonferenz zuerst, weil kein Datenumzug stattfindet. Ein neuer Link im Kalender, ein Nachmittag Aufwand, und wenn es nicht funktioniert, schalten Sie zurück. Was Sie gewinnen, ist der Beweis, dass ein europäisches Werkzeug nicht automatisch schlechter ist — und den brauchen Sie für alles Weitere.
Danach die kalte Hälfte der Dateiablage: Archive, Projektabschlüsse, Vertragsordner. Dort schreibt niemand gemeinsam, das zieht ohne Reibung um.
Chat ist politisch heikler als beides, weil Verlauf und Gewohnheit dranhängen. Rechnen Sie damit, dass alte Verläufe nicht vollständig mitkommen, und sagen Sie es vorher.
E-Mail und Kalender erst danach. Technisch ist der Umzug gelöst; die Risiken liegen bei der Zustellbarkeit der neuen Absenderadresse und beim Altbestand.
Dokumentenbearbeitung zuletzt, weil dort die Makros, die Vorlagen und der externe Schriftverkehr sitzen.
Was schlechter wird
Die durchgehende Verzahnung fehlt. Die Suche über alle Inhalte hinweg ist schwächer. Die mobilen Anwendungen sind rauer. Und die Telefonie-Integration erreicht in keiner Kombination denselben Stand.
Wer das vorher sagt, bekommt Nachsicht. Wer es verschweigt, verliert sie beim ersten Vorfall.
Was der Teilerfolg wert ist
Für hundert bis dreihundert Arbeitsplätze sind zwölf bis achtzehn Monate realistisch, wenn nebenher das Tagesgeschäft läuft. Stufe eins und zwei sind in acht Wochen machbar.
Und wenn nach Stufe drei Schluss ist, weil sich der Rest nicht rechnet: Das ist kein halbes Ergebnis. Drei von fünf Schichten in eigener Hand ist mehr, als jede Grundsatzdebatte erreicht, die bei null endet. Dass der öffentliche Sektor hier vorangeht, hat einen eigenen Grund — siehe Öffentliches Geld, öffentlicher Code.
Häufige Fragen
- Warum zuerst die Videokonferenz?
- Weil es dort keinen Datenumzug gibt. Der Aufwand ist ein Nachmittag, das Risiko ist gleich null, und Sie bekommen den sichtbaren Beweis, dass ein europäisches Werkzeug funktioniert. Diesen Beweis brauchen Sie für alle folgenden Stufen.
- Ist openDesk das einzige Bündel?
- Es ist das bekannteste, weil es für die öffentliche Verwaltung gebaut wurde. Unternehmen stellen häufig selbst zusammen — Nextcloud oder eine gehostete Ablage, OpenTalk oder Nextcloud Talk, Element für Chat, ein deutscher Mailanbieter, LibreOffice oder Collabora.
- Was ist der härteste Teil?
- Dokumentenbearbeitung, wegen Makros, Vorlagen und externem Schriftverkehr. Deshalb steht sie zuletzt. Der zweithärteste ist der Kalender mit externen Einladungen, Ressourcen und Vertretungen.
- Was, wenn wir mittendrin aufhören?
- Dann haben Sie die Stufen gewonnen, die Sie umgestellt haben. Ein Abbruch nach Stufe drei ist kein Scheitern, sondern ein Ergebnis — vorausgesetzt, er wird als Entscheidung getroffen und nicht als Erschöpfung.
Quellen
Siehe auch
Verwandte Begriffe
- Öffentliches Geld, öffentlicher CodeSoftware, die die Allgemeinheit bezahlt hat, soll die Allgemeinheit auch benutzen dürfen.
- Digitale SouveränitätSouveränität ist kein Zustand, sondern die Antwort auf vier Fragen: Recht, Betrieb, Daten, Kompetenz.
- Vendor Lock-inLock-in ist keine Eigenschaft eines Produkts, sondern eine Zahl: was der Wechsel Sie kosten würde.