Öffentliches Geld, öffentlicher Code
Kurz gesagtSoftware, die die Allgemeinheit bezahlt hat, soll die Allgemeinheit auch benutzen dürfen.
Auf einen Blick
- Ursprung
- Kampagne der Free Software Foundation Europe, seit 2017
- Kernforderung
- Mit öffentlichen Mitteln entwickelte Software unter einer freien Lizenz veröffentlichen
- Umsetzung in Deutschland
- openCode als Plattform der öffentlichen Verwaltung; ZenDiS als Gesellschaft für souveräne Arbeitsplatzsoftware
- Bekanntestes Ergebnis
- openDesk, ein Arbeitsplatzbündel aus offenen Bausteinen
- Wichtigster Nebeneffekt
- Wiederverwendung zwischen Verwaltungen statt paralleler Neuentwicklung derselben Fachanwendung
- Grenze
- Freie Lizenz allein sichert weder Pflege noch Betrieb noch Support
Die Forderung ist einfach: Software, deren Entwicklung mit Steuermitteln bezahlt wurde, soll unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. Wer sie bezahlt hat, soll sie benutzen, weitergeben und anpassen dürfen.
Aus einer Kampagne ist inzwischen Verwaltungspraxis geworden — langsamer als erhofft, aber mit sichtbaren Ergebnissen.
Was daraus entstanden ist
openCode ist die Plattform, auf der Verwaltungen ihren Code veröffentlichen und wiederverwenden. Der eigentliche Nutzen liegt weniger in der Offenheit als in der Wiederverwendung: Dieselbe Fachanwendung wird nicht mehr in sechzehn Bundesländern parallel neu beschafft.
ZenDiS ist die Gesellschaft, die souveräne Arbeitsplatzsoftware für die Verwaltung bündelt. Das bekannteste Ergebnis ist openDesk — ein Arbeitsplatzpaket aus offenen Bausteinen, das die Stufen abdeckt, die unter Souveräner Arbeitsplatz beschrieben sind.
La Suite numérique in Frankreich verfolgt denselben Ansatz. Dass beide Seiten inzwischen an gemeinsamen Bausteinen arbeiten, ist die interessantere Nachricht als jedes einzelne Produkt.
Warum das für Unternehmen zählt
Nicht aus ideologischen Gründen, sondern wegen des Marktes. Wo Verwaltungen offene Bausteine beschaffen, entsteht ein Angebot an Dienstleistern, die diese Bausteine betreiben, pflegen und unterstützen. Genau dieses Angebot fehlte in den vergangenen Jahren und war der Hauptgrund, warum Unternehmen zögerten.
Hinzu kommt: Was für hunderttausend Verwaltungsarbeitsplätze tragfähig ist, trägt auch für einen Mittelständler mit achtzig.
Was eine freie Lizenz leistet — und was nicht
Sie sichert den Weiterbetrieb. Niemand kann Sie aussperren, das Produkt einstellen und Sie damit ohne Zugriff zurücklassen; im Zweifel betreibt es ein anderer Dienstleister weiter. Damit ist die Formatebene des Vendor Lock-in gelöst.
Sie sichert nicht Pflege, Betrieb, Sicherheitsaktualisierungen oder Support. Diese Leistungen kosten weiterhin Geld, und ein Projekt ohne aktive Gemeinschaft oder ohne Dienstleister dahinter ist kein sicherer Hafen, sondern eine Aufgabe.
Die nüchterne Prüffrage lautet deshalb nicht „ist es offen?", sondern: Wer pflegt es, wie viele unabhängige Beitragende gibt es, und wen könnte ich beauftragen, wenn der heutige Dienstleister ausfällt?
Häufige Fragen
- Warum betrifft das Unternehmen?
- Aus zwei Gründen. Erstens entsteht dadurch Software, die auch Unternehmen einsetzen können — openDesk und einzelne Bausteine daraus. Zweitens verschiebt sich der Markt: Wo Verwaltungen offene Bausteine beschaffen, entstehen Dienstleister, die diese betreiben und pflegen.
- Heißt freie Lizenz, dass es kostenlos ist?
- Nein. Die Lizenz regelt Nutzung, Weitergabe und Veränderung, nicht den Preis von Betrieb, Pflege und Support. Diese Leistungen kosten weiterhin Geld — nur ist der Anbieter dafür austauschbar.
- Was hat das mit Lock-in zu tun?
- Eine freie Lizenz löst die Formatebene und den Weiterbetrieb: Niemand kann Sie aussperren. Prozesse, Wissen im Haus und Verträge binden weiterhin — deshalb ersetzt sie keine Bewertung der Wechselkosten.
- Gibt es das auch außerhalb Deutschlands?
- Ja, unter anderem in Frankreich mit La Suite numérique und auf europäischer Ebene über Interoperabilitätsvorgaben. Die deutsch-französische Zusammenarbeit an gemeinsamen Bausteinen ist dabei der bemerkenswerteste Teil.
Quellen
Siehe auch
Verwandte Begriffe
- Souveräner ArbeitsplatzEin souveräner Arbeitsplatz ist kein Produkt, sondern fünf Stufen in der richtigen Reihenfolge.
- Vendor Lock-inLock-in ist keine Eigenschaft eines Produkts, sondern eine Zahl: was der Wechsel Sie kosten würde.
- Digitale SouveränitätSouveränität ist kein Zustand, sondern die Antwort auf vier Fragen: Recht, Betrieb, Daten, Kompetenz.