Exit-Strategie
Kurz gesagtEine Klausel im Vertrag ist eine Vermutung. Ein durchgeführter Export ist ein Beweis.
Fast jeder größere Cloud-Vertrag enthält eine Ausstiegsklausel. Fast keine wurde jemals benutzt. Das ist der Kern des Problems: Eine Klausel beschreibt, was passieren soll. Sie sagt nichts darüber, was tatsächlich passiert.
Was eine belastbare Exit-Strategie enthält
Ein vollständiger Export, durchgeführt. Nicht angefordert, nicht zugesagt — gezogen, in ein anderes Werkzeug geladen und geprüft. Was fehlt, notieren Sie. Diese Liste ist die eigentliche Bestandsaufnahme.
Ein benanntes Zielsystem. „Wir würden dann etwas anderes nehmen" ist keine Strategie. Ein konkretes Produkt, ein grober Aufwand, ein Ansprechpartner.
Eine Frist. Wie lange dauert der Wechsel realistisch, vom Beschluss bis zum Abschalten des alten Systems? Wenn niemand die Frage beantworten kann, ist das die Antwort.
Ein Auslöser. Wann würde man den Wechsel tatsächlich vollziehen? Preiserhöhung über X Prozent, Wegfall des Angemessenheitsbeschlusses, Ausfall über Y Stunden. Ohne Auslöser passiert nichts, bis es zu spät ist.
Was das Recht inzwischen verlangt
Für Finanzunternehmen schreibt DORA seit Januar 2025 dokumentierte Ausstiegspläne für kritische IKT-Dienstleister vor — mit Tests. Der EU Data Act verpflichtet Cloud-Anbieter zur Unterstützung beim Wechsel und hat Wechselentgelte abgeschafft. Siehe EU Data Act.
Wer in einem regulierten Bereich arbeitet, muss das ohnehin. Alle anderen sollten es tun, weil es die billigste Versicherung in diesem ganzen Themenfeld ist.
Der Nebeneffekt, den niemand erwähnt
Ein erprobter Exit verändert die nächste Vertragsverhandlung mehr als jedes Argument. Nicht, weil man droht. Sondern weil beide Seiten wissen, dass es möglich wäre.